Raze Feat. Brobick – Fremdschämen

Raze holt Brobick ran, HBAllStarsTV lädt hoch – 2012, Bremen, keine Pause-Taste. Fremdschämen ist kein schöner Titel, aber genau das ist der Punkt: ein Callout in groß, Null PR-Schleifchen, volle Kante.

Soundbild: knapp 89 BPM, Breakbeat-Kick, kaltes E-Piano, dunkler Pad-Schleier. Boom Bap-Genetik mit Lofi-Kante, cineastisch, melancholisch, aber nicht müde – eher dieses angespannte Zucken im Unterarm, kurz vorm Zuschlagen. Energie ohne Hektik, Druck ohne Overdrive.

Inhaltlich ist es eine Standortbestimmung. Raze setzt die Messlatte, Brobick kontert mit breiten Linien – „Liefert, was ihr könnt, ich stampf euch ein.“ Hook brennt sich rein, weil sie das, was viele dachten, unverblümt ausspricht. Es ist rau, teils drüber aus heutiger Sicht, aber der Kern bleibt: Anspruch statt Alibi, Haltung statt Hype.

HBAllStarsTV hat damals vieles konserviert, was hier lief: kleine Crews, echte Stimmen, Videos ohne Glitzer, dafür mit Aussage. Fremdschämen reiht sich da ein – ein Schnappschuss aus einer Zeit, in der ein Free-Track als Feedback gereicht hat und ein direkter Vierzeiler ganze Runden beendet hat.

Und ja, zwischen den Spitzen steckt mehr als Sticheln: das Bedürfnis, dass Rap wieder etwas gilt. Dieses „Nimm’s ernst oder lass es“ – das spürst du, auch wenn’s keiner ausspricht. Vielleicht hat dich genau das damals gezogen.

Mehr aus der HB-Schule findest du auf HBAllStarsTV. Was Raze und Brobick hier markieren, ist ein Taktgefühl für Grenzen: Wenn’s wack ist, wird’s gesagt – wenn’s sitzt, bleibt’s.