Staub an den Stiefeln, Rücken schwer, Blick nach vorn: Halfway Home rollt auf 117 BPM wie ein Nachtzug – warm, rau, ohne Eile.
Akustikgitarre vorne, Orgel und Chöre im Rücken, modernes Country/Folk mit Gospel-Schimmer. Hymnisch genug für große Refrains, geerdet genug für Montagmorgen.
Textlich geht’s um Doppelschichten, Rechnungen, Fehltritte und den Versuch, nüchtern zu bleiben, wenn’s zieht. Eine Zeile bleibt: „Maybe someday I’ll be halfway home.“ Orientierung als Kompass, auch wenn das Ziel unscharf bleibt.
Der Hook wirkt wie ein Mantra – weniger Triumph, mehr Durchatmen. Diese Art Gospel im Untergrund: keine Pose, nur Tragen.
Arrangement fährt Stück für Stück hoch: erst Gitarre und Stimme, dann Orgel, dann die Stimmen hinten, dann Drums. Keine Effekthascherei, nur Schichten, die Sinn machen.
„Dead-end job“, „bills to pay“ – das kennt jede Schicht. Und ja: Das eine Lächeln, das den Tag kurz leichter macht. Kleine Rettungen, die man nicht plant.
Zwischen zwei Worten steckt Nähe, die keiner benennt. Vielleicht hat dich genau da was getroffen – still, direkt, ohne Ansage.
117 BPM halten die Schritte im Takt, lassen aber Luft. Ein Road-Song für lange Wege: Stadtrand, Autobahn, Lichterkette im Rückspiegel.
Kein Pathos, dafür Kanten. Songwriting, das nichts verspricht, was es nicht halten kann – und gerade so hängen bleibt.
Nicht szenespezifisch, aber die Haltung sitzt: Schichtende, Hafen, Spätdienst im Store – egal. Es geht um Standhalten, nicht um Etiketten.
Wenn du Country sonst meidest: gib dem Ding ’ne Runde. Hier geht’s nicht um Cowboyhut, sondern um geradeaus.
Der Mix ist sauber: Stimme vorne, Orgel warm gesättigt, die Chöre heben an den richtigen Stellen. Genug Dreck, um echt zu bleiben.
Mehr von Marc Rennor findest du hier gebündelt.