Jahresende. 2:14 Minuten, die nicht schreien, sondern schneiden. Era setzt seinen Yearly Reminder auf rund 170 BPM – Summen, Saxophon, Pads. Der Takt jagt, der Atem bleibt ruhig. Breakbeats mit Drill-Schliff, aber eher Kopfnick als Mosh. E-Dur, trotzdem hängt Melancholie im Raum. Kein Hallraum-Pathos, eher Zimmerlautstärke, Blick nach innen.
Der Text ist Bilanz und Beichte. Nicht die große Geste, eher Kanten, die man im Dunkeln spürt. Es geht um Wut, Frust, Muster, die man kennt – über mich, dich, uns. Um den Drang, gesehen und verstanden zu werden. Eine Zeile bleibt als Schnittmarke: „Fühl mich dumm, du fühlst nichts.“ Später die nüchterne Selbsterkenntnis: „Ich bleib Täter.“ Zwischen Verantwortung und Wunsch nach Ruhe flackert dieses Warum-bin-ich-so-geworden – ehrlich, ungeschönt.
Vielleicht hat’s zwischen zwei Zeilen mehr ausgelöst, als erlaubt war. Ein stiller Zug an dir vorbei – keiner sagt was, und genau deshalb bleibt er.
Soundseitig kippt das Stück nicht in Kälte. Das Summen trägt Wärme, die Drums treiben ohne Druck, das Pad hält alles zusammen. Lofi/Boom-Bap. Ein Silvester-Text ohne Feuerwerk: nur Funken, die treffen.
Was bleibt? Ein Jahreswechsel, der nicht löscht, sondern markiert. Ein Reminder, der sich nicht mitnimmt, sondern dich: bis du ihn beantwortest.
Credits:
Era